Leseprobe

Aus dem 3. Kapitel:

 

Und dann merkte ich, dass mein Atem schneller ging. Da war noch etwas!

 

Ich kniff die Augen zusammen und beugte mich weiter ins Dunkel hinaus. Eine leichte, kalte Brise strich mir das Haar ins Gesicht. Ich wischte es ungeduldig weg. Verdammt, warum hatte ich kein Fernglas? Mit aller Kraft wünschte ich mir, dass der Mond noch mal hervorbrechen möge, doch es passierte nicht. Die Finsternis war absolut. 

 

Aber jetzt ... jetzt sah ich es genau. Ich hielt vor Aufregung die Luft an.

 

Ganz, ganz weit draußen ...

 

etliche Kilometer hinter Mühstetters einsamen Heim ...

 

im tiefsten Herz der Dunkelheit ...

 

schimmerte ein zweites Licht.

 

Die Härchen in meinem Nacken stellten sich auf und für einen kurzen Moment war mir, als würde die Nacht sich enger um alles schließen. Hatte Kunze nicht gesagt, das Naturschutzgebiet sei tabu? Kategorie 1a. Komplettes Zugangsverbot. Ich hatte seine Stimme noch im Ohr. Dort draußen gab es nichts. Nur Sand, Strandastern und brütende Vögel. Und ... diese Urrinder.

 

Meine Augen suchten das erste, viel nähere Licht: Mühstetters gelblich erleuchtetes Fenster, hinter dem er auf und ab ging.

 

Das zweite Licht, weit draußen, war anders.

 Es war von einem giftig strahlenden Grün.

 

Ich verstand das nicht. Wenn Mühstetter ganz offensichtlich zu Hause war – wer war dann dort draußen in der Finsternis?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Foto: Hannes Windrath
Foto: Hannes Windrath