Leseprobe

Hier findet ihr eine Leseprobe vom Anfang des Buchs: Klick mich!

 

 

 

Und hier eine von der Mitte:

 

ab S. 236

 

Wie lange hatte sie schon so gelegen, ausgestreckt auf dem dünngetretenen Linoleum, das sich kühl und schmutzig an ihrer Wange anfühlte? Wie oft hatte sie nun schon die Augen für ein paar Sekunden geschlossen, um sie gleich wieder aufzureißen, den Taschenlampenkuli anzuschalten und das mit dem T-Shirt verstopfte Gitterfenster anzuleuchten.

 

Sie war so müde. Sie hatte jedes Zeitgefühl verloren, und der winzige, vom Nebel geschwächte Sonnenpunkt auf dem Boden, der vom Schlüsselloch stammte, wanderte einfach nicht weiter. Es stand, seit sie hierher geflüchtet war, auf demselben Fleck. Es war schwer vorstellbar, aber es war offenbar immer noch Nachmittag.

 

Nach und nach kamen die Schmerzen. Als sie sich von dem Verrückten losgerissen hatte, die Mauer entlang geflüchtet und schließlich hier hineingeschlüpft war, als sie an der Wand gelehnt und ihren Atem wie einen brodelnden Kessel gehört hatte, hatte sie offenbar noch unter der Wirkung des Adrenalins gestanden, das jeden Schmerz ausschaltete. Jetzt fühlte sie ihn überall: in ihrer Stirn, mit der sie (wahrscheinlich) seine Nase zertrümmert hatte. Ein Schmerz, als hätte jemand einen Stein dagegen geschlagen. In ihren Händen und Armen, die er auf den Boden gepresst hatte – aufgeschürft waren sie, und kleine Steinchen steckten in dem rohen Fleisch. In ihrem linken Fuß. Sie konnte den Fuß nicht aufsetzen, ohne sofort vor Schmerz zusammenzuzucken. Am meisten sorgte sie sich wegen ihres Hinterkopfs. Die Wunde blutete, aber sie empfand keinen Schmerz. Es war, als hätte ihr Körper diese Stelle mit Taubheit überzogen und abgedichtet, um sie einzulullen.

 

Plötzlich hörte sie eine Stimme von draußen. Sie kam von sehr weit her. Von … hinter der Mauer.

 

„Moooo … Aaaaahhh …“

 

Was?

 

Jemand rief!

 

Sie hob den Kopf und lauschte.

 

War das eine Falle?

 

War es der Verrückte, der es darauf anlegte, dass sie ihr Versteck verließ, in den Nebel hinein und ihm in die Arme lief? Vielleicht war dieses rote Blinken, das sie gesehen hatte, ein Nebelsichtgerät? Wie sonst hatte er sie in dem Nebel überhaupt entdecken, sie so zielsicher anspringen und zu Boden werfen können? Sie zog sich weiter von dem verwischten Sonnenpunkt des Schlüssellochs auf dem Linoleum zurück, tiefer in die Ecke hinein, drückte sich gegen die Gittertür, spürte die Eisenstäbe im Rücken.

 

„Goooh … Aaaaaaaaah!“

 

Das war keine Männerstimme! Es war die Stimme eines Mädchens. Kora streckte die Hände nach dem Heizkörper an der Wand aus und zog sich daran hoch. Sie humpelte an der Wand entlang zur Außentür, schob das T-Shirt einen Zentimeter zur Seite, spähte durch das Gitterfenster.

 

Nebel. Natürlich.

 

„Tooooooooooh … Aaaaah!“

 

Wieder der Ruf. Dieselbe Mädchenstimme.

 

Und da bemerkte Kora, dass der Nebel sich, als die Stimme rief, ein wenig von ihrer Tür entfernte. Als würde er angezogen von der Stimme, dachte sie noch und schob das T-Shirt einen weiteren Zentimeter zur Seite.

Dann sah sie die Gestalt.

 

*

 

Die Gestalt hockte unmittelbar hinter der Tür.

Der Schock frostete sie ein, sie konnte sich nicht bewegen. Sie starrte auf die verwischten Konturen dieses Mannes dort, auf sein Profil, das von Nebel umfasert war, auf die Schädelform, diese kantige Schulterlinie.

 

Er hockte ganz still. Doch plötzlich drehte er den Kopf. Sah zu dem vergitterten Fenster hoch. Kora stieß ein panisches Keuchen aus.

Die Gestalt erhob sich.

 

Scheiße! Scheiße! Gottverdammtescheiße!


Kora flüchtete an der Wand entlang, zurück in die äußerste Ecke. Das T-Shirt hielt sie in der Hand. Aber es war ohnehin zu spät. Er hatte sie entdeckt! Die Außentür ist aus massivem Holz, sagte sie sich immerzu. Sie ist verriegelt. Es ist unmöglich, sie mit der bloßen Hand zu zertrümmern.

 

Sie starrte auf das Gitterfenster. Jeden Moment … jeden Moment würde das Gesicht des Wahnsinnigen dort auftauchen. Was, wenn er eine Schusswaffe hatte?

 

*

 

Ein Nebelfaden trieb langsam hinein. Das Gitter hielt ihn nicht auf. Er schob sich durch das winzige Fenster, schwankte in der Luft, dann drückte mehr Dunst nach.

 

Der Nebelfaden verdickte sich zu einem Seil, das Seil zu einem Strang und der Strang zu einem ... oh nein, das konnte nicht sein ... der Strang verformte sich zu einem --> So, und um die Spannung zu erhöhen, breche ich hier einfach mal die Leseprobe ab. *g*

 

Ich hoffe, ich hab Euch neugierig gemacht!

 

Eure Antje Wagner =)

 

 

Foto: Hannes Windrath
Foto: Hannes Windrath

 

 

 

 

 

 

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